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Posts

Du bist nicht halb

Ich wurde grad gestern gefragt, woher ich die Ideen für meine Blogposts habe.  Ob ich die Texte vorausplane und mir Dinge genau zurechtlege, oder ob das einfach so kommt.  Um ehrlich zu sein, habe ich da kein Grundrezept. Ich schreibe über Themen, die mich im Alltag beschäftigen, Zitate, über welche ich stolpere oder einfach Gedanken, die plötzlich kommen und nicht wieder gehen. Und dann sitze ich hin und schreibe auf, und meistens höre ich erst dann, wenn ich mit meinem Gedankenstrom fertig bin.  Und die Geschichte meines neuen Textes hat vor etwa einer Woche begonnen. Einer meiner liebsten Menschen hat mir folgendes Zitat gesendet: « I’m not searching for my other half, because I’m not half. »  Ich suche nicht nach meiner anderen Hälfte, weil ich nicht halb bin.  Mein erster Gedanke war: wie wahr! Mein zweiter Gedanke war: eigentlich weisst du das schon, oder? Eigentlich. Ich bin mir vielen Dingen bewusst und vor allem in diesem Punkt; dass...

Genug

Wann sind wir genug gut, schön oder sehenswert für diese Welt?  Wann wissen wir, dass die Zeit für uns gekommen ist?  Und vor allem: Wer hat das Recht uns zu sagen, dass wir genügen? Ich weiss nicht woher diese stetige Angst kommt, nicht genug gut zu sein. Im Privatleben, in Beziehungen, im Job, bei Freizeitaktivitäten. Wir haben uns irgendwann mal diesen Druck auferlegt, nie jemanden zu enttäuschen. Wir wollen immer genügen, ohne so genau zu wissen, was das denn überhaupt bedeutet. Gibt es eine magische Grenze, die man überschreitet und plötzlich gut genug ist? Oder sind es einfach unsere Ansprüche und unsere Tagesform, die aus einer Laune heraus entscheidet, ob etwas oder jemand gut genug ist? Fakt ist, dass du zu einem grossen Prozentsatz in deinem Beruf ersetzbar bist. Niemand wird es so wie du machen, aber irgendjemand wird die Arbeit auf eine Art und Weise erledigen können, wenn du nicht mehr da bist. Ganz egal, wie gut du eben bist.  Das gilt aber...

Machen ist wie wollen, nur krasser.

Machen ist wie wollen, nur krasser.  Dieser Spruch ist natürlich nicht von mir, sondern steht auf dem Kalenderblatt dieser Woche. Und ich kann sagen, dass er passender nicht sein könnte. Nicht nur, weil ich ihn einfach super finde, sondern auch, weil es tatsächlich schon ein Jahr her ist, seit ich meinen ersten Blogpost veröffentlicht habe. Ich verbinde diesen Moment immer noch mit Überwindung und Herzklopfen. 364 Tage später schreibe ich schon meinen 44. Beitrag und immer noch bin ich gespannt, wie und ob meine Worte Anklang finden. Nicht immer erfahre ich das, aber bisher hat es mich nicht davon abgehalten, weiterzuschreiben.  Grundsätzlich sollte das auch nebensächlich sein. Denn für mich ist es immer noch eine grosse Leidenschaft, Gedanken in Worte umzuwandeln, und ihnen in einem meiner Texte ein Zuhause zu geben. Es sollte nie darum gehen, etwas nur für den «Applaus» zu machen, sondern dafür, was es mit einem selber macht. Denn selbst wenn der Applaus da sein sol...

Für immer unverbindlich

Es ist (entschuldige meine Wortwahl) der Mindfuck unserer Generation und unserer Gesellschaft, ohne, dass wir es genau realisieren; wir wollen um jeden Preis unverbindlich bleiben und das am liebsten für immer.  Wir haben den Stress, uns immer alle Optionen offen lassen zu müssen, sich ja nicht zu entscheiden, festzulegen oder zu stark zu verpflichten. Wir scheuen uns ständig davor, Verantwortung zu übernehmen, weil wir dann auch die Konsequenzen tragen müssten. Denn: Wer möchte das den schon? Wir leben in der stetigen Angst etwas zu verpassen, wenn wir uns festlegen. Denn wer gibt mir die Garantie, dass nicht doch noch etwas Besseres, Schöneres oder Tolleres kommt? Wir haben keine Pläne mehr, sondern Optionen. Wenn Option 1 nicht eintritt, dann mache ich halt Option 2, und sonst halt Option 3 und vielleicht lässt sich da noch Option 4 einbinden. Ernsthaft?  «Eigentlich habe ich dich ganz fest gern, aber ich möchte mich doch nicht binden, deshalb ist es vielleicht...

all die ungesagten Dinge

Wenn ich alleine bin oder Zeit zum Nachdenken habe, kommen sie mir in den Sinn; all die Dinge, die ich gerne noch sagen würde oder gesagt hätte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt oder zu einer bestimmten Person. Im Französischen gibt es den Ausdruck «l’esprit de l’escalier» der bedeutet, dass man nach einem Gespräch über all die Dinge und Argumente nachdenkt, die man noch hätte sagen können, es aber dafür nun zu spät ist. Oder wie es andere sagen würden: Der Witz steht noch auf der Treppe, aber die Gelegenheit ist schon durch die Türe.  Und so geht es mir öfters. Mittlerweile nicht nur bei Gesprächen, sondern auch bei schriftlichen Konversationen und Chatnachrichten. Manchmal lese ich das Geschriebene noch einige Male durch und werde mir dadurch nur noch bewusster, was ich «gesagt» habe und was ich vielleicht hätte sagen sollen. Denn am liebsten bin ich witzig, mit einer grossen Portion Ehrlichkeit, aber nur so viel, dass es doch niemanden verletzt. Aber öfters kommt es dann d...

Gespräche

A conversation should feel like breathing never like holding your breath.  - Chris Ferreiras Ein Gespräch sollte sich wie atmen anfühlen und nie so, als würde man den Atem anhalten.  Ich liebe es von einem Treffen nach Hause zu kommen und einfach beschwingt zu sein. Glücklicher als zuvor. Vielleicht auch inspirierter, ausgeglichener, lebendiger. Ich brauche die Begegnungen, die mir das Gefühl geben, dass ich gehört werde aber auch diejenigen, die mein Zuhören schätzen und brauchen. Begegnungen, die meinem Leben etwas hinzufügen, dass da vorher noch nicht war und ich vielleicht auch gar nicht gesucht habe. Aber es bringt einen Mehrwert in mein Leben, wie der Sauerstoff zum Atmen.  Manchmal leben wir nämlich in toxischen Beziehungen, die sich anfühlen, als ob man durch ein Minenfeld gehen würde und hofft, nichts Falsches zu sagen oder zu machen, damit auch keine Bombe explodiert. Und trotzdem verlassen wir das Feld nicht, weil es uns vielleicht für ei...

Wovor wir uns am meisten fürchten...

The thing you  are most afraid to write.  Write that.  - advice to young writers Man soll über die Sache schreiben, vor der man am meisten Angst hat, sagen sie. Die Sache, die man am liebsten einfach ignorieren möchte, die Sache, ohne die es besser gehen würde. Ich hatte früher nie Mühe über meine Ängste zu schreiben. Es floss so dahin von meinen Fingern auf das Blatt Papier. Doch irgendwann begann ich, mir das zu verbieten, wie es wahrscheinlich so viele tun. Denn wir sind erwachsen, wir sind Vorbilder, wir sind stark. Wir wollen nicht, dass uns unsere Ängste dominieren, so verbannen wir sie.  Ich habe kürzlich ein Kurzgedicht gefunden, welches ich vor einigen Jahren geschrieben habe:  Im Fluss der Welt treiben wir, und sinken von Zeit zu Zeit ab. Suchen Halt,  suchen Beständigkeit, suchen etwas,  woran wir uns festhalten können. Denn meine Angst wird es, je länger ich schreibe, wirklich einen Einblick darin zu geben, was...