Direkt zum Hauptbereich

Genug


Wann sind wir genug gut, schön oder sehenswert für diese Welt? 
Wann wissen wir, dass die Zeit für uns gekommen ist? 
Und vor allem: Wer hat das Recht uns zu sagen, dass wir genügen?

Ich weiss nicht woher diese stetige Angst kommt, nicht genug gut zu sein. Im Privatleben, in Beziehungen, im Job, bei Freizeitaktivitäten. Wir haben uns irgendwann mal diesen Druck auferlegt, nie jemanden zu enttäuschen. Wir wollen immer genügen, ohne so genau zu wissen, was das denn überhaupt bedeutet. Gibt es eine magische Grenze, die man überschreitet und plötzlich gut genug ist? Oder sind es einfach unsere Ansprüche und unsere Tagesform, die aus einer Laune heraus entscheidet, ob etwas oder jemand gut genug ist?

Fakt ist, dass du zu einem grossen Prozentsatz in deinem Beruf ersetzbar bist. Niemand wird es so wie du machen, aber irgendjemand wird die Arbeit auf eine Art und Weise erledigen können, wenn du nicht mehr da bist. Ganz egal, wie gut du eben bist. 
Das gilt aber nicht für dein Privatleben. Da bist du kein Zahnrädchen eines grossen Prozessors, sondern ein Mensch, ein Herz, ein wichtiges Puzzlestück für so viele andere Menschen. Dein Privatleben ist wie ein Ort, bei dem du nie das Gefühl haben solltest, nicht genügen zu können, weil es einfach schon genügt, dass es dich gibt und du für andere da bist. 
„Genug“ ist ein undefinierter Begriff, so schwammig, dass wir uns alle etwas anderes darunter vorstellen. Und genau da liegt der Punkt; mache ihn von dir und nicht von jemand anderem abhängig. 

Ganz ehrlich: Für irgendjemand werden wir nie gut genug sein. Wir werden den einen Personen nie genügen oder es wird da immer noch jemand sein, der erfolgreicher oder besser ist. Jemand Erfahreneres, Stärkeres, Tolleres.
Aber dieser jemand ist nicht du und niemand wird es jemals sein. Nur du kannst eine bessere Version deiner selbst sein, wenn du es dann überhaupt sein möchtest oder musst.

Und deshalb kann man nur herausfinden, ob man für etwas bereit ist, indem man es tut und heraus in die Welt geht. Man muss ausprobieren, ob man «genug» ist, ob man halt noch scheitert oder schon besteht. 
Mache es nie von nur einer Person abhängig. Versuche gesehen zu werden. Und kämpfe dafür, DIR zu genügen, und am Ende des Tages mit dir zufrieden zu sein; denn dann wirst du immer gut genug sein. 

Denn: Du bist genug, so wie du bist. 

Alles Liebe, Julia

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

weshalb Hoffen nicht die Lösung ist

Um ehrlich zu sein war ich im letzten Monat die Person, die meine Blogposts hätte lesen sollen. All this time I was finding myself and I didn‘t know, I was lost. Und manchmal scheint es, als würde es mir doch plötzlich wie Schuppen von den Augen fallen. Naja, solche Momente habe ich von Zeit zu Zeit; das Gefühl der «Erkenntnis». Und doch erkenne ich nicht immer und sehe nicht klar. Manches rede ich mir schöner, als dass es wirklich ist und anderes zeichnet sich in meinen Gedanken schlimmer und schmerzhafter ab, als es sein sollte. Und weshalb schreibe ich dann Blogposts? Um eine Essenz aus solchen Momenten zu ziehen. Um anderen einen Impuls zu geben. Und ich habe nicht mehr geschrieben, weil ich es nicht konnte. Nicht, dass es mir schlecht ging und ich am Boden zerstört war, sondern weil ich das Gefühl hatte, ich könnte mit dir, mit der Welt, nicht das teilen, was sinnstiftend ist. Jetzt sitze ich hier und schreibe trotzdem. Nicht, weil ich etwas gefunden habe, was die Welt wirklic...

Ode an meine Zwanziger

Nur kurz vorab: Dieser Post wird keine Ode im klassischen Sinne, sondern eine, in meinem Sinne. So wie ich nämlich auch meine Zwanziger gelebt habe.    Ich stehe kurz vor meinen Dreissigern, nur noch einen Augenblick entfernt. Vor ein paar Jahren noch mein Endgegner, heute ist es eher eine Erleichterung. Die Zwanziger waren für mich eine Herausforderung zwischen Überleben, Kämpfen und Leben. Die Reihenfolge war hier frei wählbar, Episoden waren wiederkehrend und manchmal war es auch alles miteinander.    In den Zwanziger kann man alles tun, man sollte aber auch alles tun. Sich ausprobieren, reisen und Neues erleben. Am besten aber auch Geld verdienen, sich ein Standbein aufbauen und gleichzeitig in die Zukunft schauen. Alte Kontakte pflegen und neue Menschen kennenlernen, und vor allem auf eigenen Beinen stehen.  Ich nahm das sehr ernst. Vielleicht oft auch zu ernst. Ich habe mich mental an diesen Vorstellungen festgehalten und wurde erst frei, als ich all das l...

Aushalten

Ich komme in meinem Leben immer wieder an einen Punkt, an dem alles geplant und getan ist und ich nur noch warten kann, bis es weitergeht. Obwohl ich am liebsten schon drei Schritte weiter wäre, kann ich die Zeit nicht nach vorne spulen. Und wenn ich dann die Gelassenheit verliere, die ich mir so sehr herbeiwünsche, denke ich ab und zu an die Zeilen, die ich in einem vergangenen Blogpost geschrieben habe:     Ich wünsche dir die Geduld die Dinge hinzunehmen,  die du nicht ändern kannst,  auszuhalten, ohne anzuhalten,   weiter zu atmen, obwohl es uns den Atem nehmen will. -         Weltschmerz pt. 2   Also versuche ich zu fliessen, weiterzugehen mit der Gewissheit, dass ich noch nicht so schnell ankommen werde, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Aber nicht zu warten, sondern das in die Hand zu nehmen, was ich kann, bis das eintritt, wofür ich gearbeitet habe.   Und vielleicht fragst du dich, wovon ich die ganze...