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Posts

Ratschläge sind auch Schläge

Wir Gutmenschen. Wir Helfenden. Wir Sorgenden.  Vermeintlich.  Und letztlich richten wir vielleicht grösseren Schaden an, als vermutet.  Ratschläge, sind auch Schläge.  Ob wir wollen oder nicht, irgendwie trifft es einen immer irgendwo, obwohl alles, was die andere Person sagt, nur gut gemeint war. Wir werfen mit Ratschlägen um uns, als wären wir alles Besserwisser, obwohl es keiner so meinen möchte. Wir sind umgeben von Werbungen, Inseraten und Kurzfilmen, die uns verklickern wollen, was uns alles fehlt und was wir doch bitte besser machen sollen. Wir werden erschlagen von Tipps, die wir gar nicht brauchen.  Nichts, was nicht von innen kommt, hat Beständigkeit – so meine Behauptung. Ich muss Veränderung wollen und leben, damit sie auch nachhaltig ist. Ich muss nach Hilfe fragen (zumindest innerlich), damit ich sie auch annehmen kann. Alles andere fühlt sich aufgezwungen an, weil es immer die Art und Weise jemand anderes sein wird, aber nie meine....

fear of missing out

Das Trendwort. Der Hashtag. FOMO . The fear of missing out. Die Angst, etwas zu verpassen. Unser ständiger Begleiter, den wir nicht unbedingt freiwillig ausgesucht haben.  Wir werden darauf trainiert, die Werbung lässt es uns denken. Keine Party, kein Event, kein Treffen ohne uns. Wir meinen, dass die Dinge um uns unverzichtbar sind. Und dass wir weniger wert sind, wenn wir nicht dabei sind.  Als ob uns etwas fehlen würde, wenn wir gewisse Dinge nicht erlebt haben.  Vor allem in einer Welt, in welcher moderne Technologien dominieren und uns ständig auf dem Laufenden halten, bekommen wir auch gleichzeitig das Gefühl, immer alles zu wissen und überall dabei zu sein. Wir wollen Bescheid wissen, informiert sein, mitreden.  Wir sind einem dauernden Stress ausgesetzt zwischen ständiger Präsenz im «Überall» und dem starken Verlangen, dem Ganzen zu entfliehen. Wir schauen uns stundenlang Serien auf Streamingplattformen an, die uns auf der einen Seite das Gefühl ...

Anti-Fragilität

Ich habe vergangene Woche in einem Podcast das erste Mal vom Prinzip der «Anti-Fragilität» gehört. Und eigentlich war nichts davon neu, und trotzdem alles anders. Und genau deshalb wollte ich darüber schreiben. Beginnen wir aber mal beim Gegenteil; der Fragilität. Da kommt mir als erstes immer eine Kartonschachtel mit einem Glas-Aufkleber in den Sinn, auf dem steht «Achtung zerbrechlich». Und wer zerbrechlich ist, ist verwundbar, abhängig, unselbständig. Vielleicht auch wie ein Kleinkind, dass die Welt nicht ohne andere meistern könnte.  Das Gegenteil davon ist aber nicht die Anti-Fragilität, sondern eher die Resilienz. Das bedeutet nämlich, dass man robust bleibt und sich nicht unbedingt verändert, auch wenn man einen Schock oder Unerwartetes erfahren hat. Ich würde eine resiliente Person als widerstandsfähig beschreiben; als jemanden, der mit beiden Beinen fest im Leben steht.  Noch einen Schritt weiter geht aber die Anti-Fragilität. Nicholas Taleb beschreibt di...

einsame Helden

Wir haben diese Eigenschaft in uns. Ich nenne sie mal «das-Held-sein-wollen». Wir möchten gerne stark sein. Wir möchten die Welt verbessern. Wir wollen helfen, wo auch immer es fehlt, obwohl wir manchmal gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen.  Gleichzeitig haben wir aber auch die Intention, Dinge flicken zu wollen, die für andere gar nicht kaputt sind. Wir wollen helfen, obwohl unsere Hilfe für andere gar nicht als nötig erscheint.  Und da wären wir wieder beim «gebraucht werden». Und die erschütternde Wahrheit.  Du kannst sie nicht alle retten. Du kannst nicht flicken, was nicht als kaputt angesehen wird. Und ich glaube es ist das, was uns am meisten weh tut. Wir glauben so sehr, dass wir etwas Gutes tun wollen. Wir haben die Absicht, die Retter zu sein. Und vielleicht, macht uns genau das traurig.  Denn Helden sind einsam, weil sie nicht gerettet werden.  Wer immer als stark erscheint, immer einen guten Rat übrighat, wer helfen kann, sc...

Königin des Selbstbetrugs

«Ich versteck mich hinter klugen Sätzen,  ziehe Konsequenzen, die gar keine sind.» Kennst du die Momente, in denen dir die Augen geöffnet werden? Aber nicht so auf die sanfte Art und Weise. Mehr so direkt in die Fresse à la: hier ist dein Spiegel und zieh’s dir rein. Bäm.  So einen Moment hatte ich neulich.  Nämlich als Henning May – mit einer der schönsten Stimmen der Welt – wie ich finde – das Lied «Kluge Sätze» in meine Kopfhörer gesungen hat. Als ich je länger je mehr zu verstehen begonnen habe, was er singt. Und ich mir zum einen der ersten Male im Leben so richtig gewünscht hätte, dass ich dieses Lied geschrieben hätte.  «Ich versteck mich hinter klugen Sätzen Ziehe Konsequenzen, die gar keine sind. Ich belüge mich auf meine Weise Eher laut als leise Damit sich irgendwas bewegt.» Denn genau so bin ich. Und irgendwie fällt es mir nicht einmal schwer, mich damit zu identifizieren. Obwohl es schon ein ziemlich harter Schlag war. Sich e...

schwarz-weiss

Ich geh durch die Läden, die Strassen, die Welt. Überflutet von all den Eindrücken. Den wunderschönen Orten, den tragischen Schicksalen, den vielen Geschichten, die hier wohnen. Kann gar nicht richtig sehen, was da alles ist, weil da viel zu viel ist, um es überhaupt zu verstehen. All die Farben, Gerüche, Bilder, Orte, die uns so faszinieren, aber es uns damit auch erschweren zu sehen, was davon wichtig ist.  Manchmal wünsche ich mir ein Foto in schwarz-weiss. Um klarer zu sehen. Um all die farbigen Details, die vom Wesentlichen ablenken, zu eliminieren. All die Sorgen, die Ängste. Um zu erkennen, ob es wirklich wichtig war.  Und ich fahr durch die Nacht. Bin so entspannt, weil sie mir hilft, einen Fokus zu finden. Weil sie all die Ablenkungen, die da sonst so rumschwirren, einfach auffrisst. Weil die Dunkelheit doch nichts anders ist, als die Erholung vom Tag. Sie gibt uns die Möglichkeit Energie zu tanken, nicht überall sein zu müssen. Sie nimmt uns den Trubel, sie ...

Loslassen

Nein, heute geht es nicht um die Eiskönigin Elsa, die mit ihrem Lied «let it go» weltbekannt wurde. Aber vielleicht geht es hier auch ein wenig um das, was sie in ihrem Hit singt. Das Loslassen. Das Freisein.  Wir kennen ihn alle; der kleine Messie in uns. Und obwohl ich mich teilweise relativ gut von Dingen trennen und sie ausmisten kann, so gibt es oft trotzdem noch Sachen, von denen ich mich nicht trennen will. Erinnerungen, Bilder, Ansichtskarten, Notizen. Wir bewahren sie auf, wie ein wohlbehüteter Schatz. Ohne einmal darüber nachzudenken, ob es uns überhaupt guttut oder ob wir einfach eine Vergangenheit kreieren, die so gar nicht existierte.  Und ja, vielleicht kommen wir da auch wieder zu den toxischen Beziehungen zurück. Zu Menschen, an denen wir seit Jahren festhalten, obwohl sie uns mehr Energie rauben, als sie uns geben. Hast du schon einmal nachgedacht, wieviel Kapazität du hättest, wären diese Personen nicht in deinem Leben? Dass du Personen in deinem U...