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das Ding mit der Zeit

Wir können keine Zeit gewinnen und wir verlieren sie nicht. 

Sie ist, ob wir nun sind oder nicht. 

Und die Illusion, dass wir sie im Griff hätten oder sie anhalten könnten, können wir nur als solches anerkennen, aber sicher nicht ändern. 

Die Zeit läuft, sie läuft immer weiter.  

Und ja, manchmal läuft sie auch ab. 

 

Wie oft denke ich, dass ich Dinge tun muss, die meine Zeit verschwenden. Putzen, aufräumen, Rechnungen bezahlen, auf den Zug warten, wenn er zu spät kommt oder ich zu früh dran bin. 

Und trotzdem frage ich mich, wann ich denn die Zeit tatsächlich nutze. Zeitsparende Dinge verbinde ich oft mit Effizienz, aber auch mit Stress, weil ich dann oft mehr miteinander verknüpfen möchte, als überhaupt sinnvoll wäre. Ich stopfe den Tag mit Terminen voll, sodass ich abends erschöpft und müde bin, weil es doch zu viel war. Ob das dann tatsächlich nützlich war, ist mit einem grossen Fragezeichen zu versehen. 

 

Und hier kommt wieder das Ding mit der Zeit. «Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.» hat Ernst Ferstl einst gesagt. Und je mehr ich mich dagegen sträube, mir für etwas Zeit zu nehmen, desto mehr Energie raubt es mir. Ich schiebe es vor mir hin und versuche es so lange zu umgehen, bis es schliesslich unausweichlich ist. 

Deshalb frage ich mich, ob das Ganze manchmal nur halb so schlimm wäre, wenn ich mir bewusst Zeit nehmen würde, auch die Aufgaben zu erledigen, die ich am liebsten aus meinem Leben verbannen würde. Oder ob es an der Situation nichts ändern würde. Ich kann es dir nicht sagen, aber ich denke mal, es würde mir einigen Stress ersparen. 

 

Da ist noch ein weiteres Ding mit der Zeit: es braucht sie. Im Sinne von: alles braucht Zeit, sich zu entwickeln, zu wachsen, zu entstehen. Rom wurde nicht in einem Tag gebaut. Nichts passiert von heute auf morgen. Prozesse laufen oft im Hintergrund ab, bevor sie dann schliesslich vollendet werden. Zeit heilt, verzeiht, gibt Distanz. Sie lässt einen anknüpfen und weitermachen, sie lässt uns mutig werden und manchmal auch vergessen. Doch manchmal müssen wir die Gnade haben, uns die Zeit zu geben. 

 

Man kann nichts erzwingen oder vorspulen. Das Leben ist keine Netflix-Serie und auch kein Buch. Man kann weder das Ende sehen noch genau sagen, was wie viel Zeit brauchen wird. Ob es sich «lohnt» oder nun «verschwendete» Zeit ist, ich glaube, wenn wir den Fokus darauf legen können, dass wir immer auch etwas lernen, wird uns jede Zeit etwas geben. 

 

Ich wünsche dir Zeit, so viel du brauchst. 

Und ich wünsche dir, dass sie dir viel gibt und nicht nur nimmt. 

 

Alles Liebe, Julia

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