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(nicht) für immer.

Bevor ich mit diesem Blogpost so richtig starte, muss ich vielleicht ein bisschen ausholen. Ich glaube nämlich, über das heutige Thema habe ich schon einmal geschrieben. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein. Es geht darum, dass nichts für immer ist. Und dass das eigentlich wunderbarer nicht sein könnte. 

 

Gestern in der Mittagspause habe ich in die Runde gesagt, dass es doch krass ist, was in einem Jahr so passieren kann und dass ich vor einem Jahr (gefühlt) noch jemand ganz anderes war. Eine Arbeitskollegin hat dann gemeint, dass sie mich aber schon damals so gern hatte, wie ich bin. Ich habe ihr dann entgegnet, dass ich mich selber heute aber noch ein bisschen lieber mag. Meine entspannteres und offeneres Ich, dass sich traut loszulassen, weil es weiss, dass es dann die Hände frei hat. 

 

Und dann kam mir dieser Spruch in den Sinn, den ich erst grad wieder gehört hatte: «Nichts ist für immer.» Und das kann man auf eine eher positive und natürlich auch eine negative Art sehen. Natürlich steht das «für immer» im Gegensatz zu der Vergänglichkeit, die uns manchmal Angst macht. Der englische Begriff «oblivion» - Vergessenheit und das gleichnamige Lied der Band Bastille drückt das für mich so schön aus: When oblivion is calling out your name, you always take it further, than I ever can. Doch geht es darum daran zu denken, dass wir in Vergessenheit geraten können? Vielleicht sollten wir mal daran glauben, dass wir so hell leuchten, dass von uns irgendwo immer einen Funken übrig sein wird. 

 

Und vielleicht noch das Positive daran, dass nichts für immer ist: auch die Pandemie geht vorbei, auch alles Schlimme, jeder Herzschmerz, jeder Verlust, jede dunkle Zeit. Jeder Stress nimmt irgendwann ein Ende – wir müssen es manchmal aber auch zulassen. Denn wenn wir uns zu gerne leidtun, dann zelebrieren wir etwas, dessen Ende wir schon längst hätten herbeiführen können. Item. 

 

Und nun vielleicht noch zwei Gedanken zum «für immer»:

1.     Stell dir (im Ausnahmezustand) immer die folgende Frage, wenn du dich nicht entscheiden kannst: Wird es am Ende deines Lebens einen Unterschied gemacht haben, ob du es gemacht oder gewagt hast, oder nicht? Wenn ja, frag dich, ob es dir einen Mehrwert bringen könnte. Wenn es keinen Unterschied macht oder wenn es dir sogar einen Mehrwert bringen könnte: tu es! Wir sind zu alt für die was-wäre-wenn’s!

2.     «People wait all week for Friday, all year for summer, all life for happiness. » 
Lass uns nicht mehr diese Personen sein. Kreiere jeden Tag etwas, worauf du dich freust, worüber du stolz bist, ein kleiner Funke, egal wo du bist. 

 

Und dann bin ich mir sicher, können wir auch eine kleine Ewigkeit in einem Moment finden, ein «für immer» in unserem Herzen. Und ein «ich hab’ mich heute genau so gern, wie ich bin, auch wenn ich weiss, dass ich morgen vielleicht nicht mehr dieselbe bin.»

 

Hab’ dich lieb, du bist dein für immer. 

 

Alles Liebe, Julia

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