Direkt zum Hauptbereich

Wachstumsschmerz

 In meiner Jugend habe ich Wachstumsschmerz mit körperlichen Beschwerden verbunden. Meine Knie taten weh, der Körper fühlte sich fremd an, als wäre es manchmal gar nicht der eigene. Wachstumsschmerzen beginnen aber schon viel früher; Kleinkinder weinen Nächte lang, weil die neuen Zähne durchbrechen oder sie einen Schub durchleben. Es gehörte halt einfach dazu, denn irgendwann, wird es vorbei sein. 

 

Und wenn man älter ist, ausgewachsen, erwachsen? Dann hören die Wachstumsschmerzen nicht auf, aber sie verlagern sich. Man wächst als Person immer wieder, passt sich an, adaptiert und etabliert. Und meistens kommt der Schmerz gar nicht während des Wachstumsprozesses. Denn dann ist man mittendrin, lernt und lebt. 

 

Die «Schmerzen» kommen erst später, wenn der Ermüdungsprozess eintritt. Wenn man merkt, wie viel Energie es einen gekostet hat, zu wachsen. Und obwohl man so stolz ist, dass man etwas erreicht hat, so ist die Erschöpfung manchmal grösser als die Freude. 

 

Viele gehen dem Wachstum aus dem Weg, weil es anstrengend ist. Es ist so «out of the comfort zone» und weshalb das verlassen, was doch so verlässlich ist? Die gewohnten Strassen, dieselben Arbeitsabläufe, die tollen Menschen um einen herum? Warum soll man etwas ändern, wenn es doch funktioniert? Warum die Mühe machen, wenn es klappt? 

 

Es ist trotzdem so lohnenswert, diesen Schmerz zu erleiden. Nicht, weil, der Schmerz an sich anzustreben ist, sondern wachsen zu wollen. Sich selber das Recht zu geben, sein Leben bereichern zu können. Aus dem auszubrechen, was schon ist, weil es der sichere Hafen ist, zu welchem man immer wieder zurückkehren kann. Und auch wenn das Gute schon gut genug ist, so gibt es da vielleicht doch etwas, mit dem man nie gerechnet hätte. 

 

«We accept the love we think we deserve» hat Stephen Chbosky im Buch The perks of being a wallflower geschrieben. “Wir akzeptieren die Liebe, von der wir denken, dass wir sie verdienen.“ Doch du bist endlos und damit auch dein Potenzial und die Liebe, die du verdienst. Und dass es endlos ist, bedeutet auch, dass du nie angekommen sein wirst und immer weiterwachsen darfst. Jede Bemühung wird es wert sein, jeder Wachstumsschmerz wird sich lohnen, weil du es bist. 

 

Eine Freundin hat mir gesagt, dass ihre Mutter immer meint: „Der Erkenntnis ist es egal, wie sie zu einem gelangt.“ Und ja, ich wünsche dir die Erkenntnis, dass auch unsere Wachstumsschmerzen vorbeigehen, wie sie es in unserer Kindheit und Jugend auch gemacht haben. Dass die Erschöpfung irgendwann verfliegen und das Herz wieder leichter schlagen wird. 

 

Ich wünsche dir Flügel, ich wünsche dir Wurzeln, ich wünsche dir Weitsicht, ich wünsche dir einen Horizont, der immer erweitert werden kann. Ich wünsche dir Wachstum, ich wünsche dir ein reiches Leben. 

 

Alles Liebe, 
Julia

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

weshalb Hoffen nicht die Lösung ist

Um ehrlich zu sein war ich im letzten Monat die Person, die meine Blogposts hätte lesen sollen. All this time I was finding myself and I didn‘t know, I was lost. Und manchmal scheint es, als würde es mir doch plötzlich wie Schuppen von den Augen fallen. Naja, solche Momente habe ich von Zeit zu Zeit; das Gefühl der «Erkenntnis». Und doch erkenne ich nicht immer und sehe nicht klar. Manches rede ich mir schöner, als dass es wirklich ist und anderes zeichnet sich in meinen Gedanken schlimmer und schmerzhafter ab, als es sein sollte. Und weshalb schreibe ich dann Blogposts? Um eine Essenz aus solchen Momenten zu ziehen. Um anderen einen Impuls zu geben. Und ich habe nicht mehr geschrieben, weil ich es nicht konnte. Nicht, dass es mir schlecht ging und ich am Boden zerstört war, sondern weil ich das Gefühl hatte, ich könnte mit dir, mit der Welt, nicht das teilen, was sinnstiftend ist. Jetzt sitze ich hier und schreibe trotzdem. Nicht, weil ich etwas gefunden habe, was die Welt wirklic...

becoming Jules

Stell dir vor du wagst etwas Neues. Du kündigst deinen Job, du kündigst deine Wohnung, du verlässt deine Freunde, Familie und deine grosse Balkonliebe.  Stell dir vor du beginnst eine neue Ausbildung und sie gefällt dir. Stell dir vor du hast neue Arbeitskollegen und sie sind toll.  Stell dir vor deine neue Stadt ist irgendwann dein Zuhause und der Fluss, der daneben fliesst; dein Ruheort. Und stell dir vor es treten bezaubernde neue Menschen in dein Leben. Freunde. Sie sind plötzlich da am Wegrand und gehen ihn mit dir. Egal ob es steinig ist oder auch nur um die Aussicht zu geniessen.  Und stell dir vor da gibt es Cafés, in denen du Texte schreiben kannst. Neue Inspiration, neue Ideen, neue Möglichkeiten.    Und irgendwann war der Tag da, als ich mir das alles nicht mehr vorgestellt, sondern umgesetzt hatte. Und dieser Tag jährt sich bald. Als ich einen Teil von Julia zurückliess, damit ich mehr Platz habe für Jules.    Jules. Eine (junge) Frau mit T...

Abstand

Von hier oben sieht alles ganz klein aus. Und die Probleme unwichtiger. Und die Sorgen weit weg. Hier oben fühle ich mich so frei und gross.  Ich kann wieder atmen.    Denn manchmal sind die Gedanken Was andere denken könnten Zu laut.  Und die Verantwortung Die man doch nur für sich übernehmen kann Zu gross.    Dann möchte ich  Fliegen wie ein Adler und Schwimmen wie ein Delfin. Einfach nur Schwerelos.    Dann brauche ich Abstand Vom Alltag und der Arbeit Von Familie und Freunden Und von dir.  Dann brauche ich eine Pause Von Aufgaben und Verpflichtungen Von Träumen und Wünschen Und von mir.    Deshalb Tanze ich wild Und singe ich laut Und laufe los Wandere hoch Bis ich angekommen bin.    Von hier oben sieht alles ganz klein aus. Und die Probleme unwichtiger. Und die Sorgen weit weg. Hier oben fühle ich mich so frei und gross.  Ich atme ein Atme aus Und lass los.   Alles Liebe, Julia