Direkt zum Hauptbereich

ver-rückt

 Ver-rückt

 

Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, dass die besten Dinge oft auf einfachem Weg geschehen. Nicht, weil einem das Glück in die Hände fällt, sondern weil man meistens zuvor sehr hart dafür gearbeitet hat und sich das Puzzle endlich zusammensetzt. 

Und so bin ich der Meinung, dass es auch mit Blogposts sein sollte. Ich setze mich hin, ich schreibe, und das so lange, bis der Text fertig ist. 

Weshalb dies mir in letzter Zeit so schwerfiel, weiss ich nicht. Dass es mir schwerfiel, weiss ich sehr wohl. 

 

Und eigentlich habe ich diesen Blogpost schon längst begonnen und schon so viele Ideen gehabt – in meinem Kopf wahrscheinlich schon drei Mal zu Ende geschrieben und überarbeitet. To cut long story short; vielleicht wird ja jetzt was draus. 

 

«Das ist ja verrückt

Ich habe diesen Satz in letzter Zeit einige Male gehört. Nicht unbedingt in einem negativen Zusammenhang, manchmal sogar mit etwas Bewunderung im Unterton. Denn ich mache gerne unübliche Dinge, wie in aller Frühe aufzustehen, Spazieren zu gehen und manchmal sogar vor dem Morgengrauen Sport zu machen. Und Dinge, die mir wichtig sind, kann ich in Windeseile erledigen. Andere dafür monatelang nicht. Wie wir alle es eben so tun. Doch, weshalb soll das, soll vielleicht ich sogar, verrückt sein?

 

Ich habe mich gefragt, was dieses Wort denn überhaupt bedeutet. Verrückt. Im Duden wird es auch mit auf auffällige Weise ungewöhnlich, ausgefallen, überspannt, oder närrisch gleichgestellt. Ich habe für mich selber das Wort geteilt. Etwas ist ver-rückt. Nicht mehr am selben Platz, nicht der Norm entsprechend, oder einfach anders, als das, was wir kennen und uns dadurch auch Sicherheit gibt!

 

Ich fühle mich schnell von anderen Verhaltensweisen angegriffen, vor allem dann, wenn sie so unüblich für mich sind, und mir manchmal sogar etwas Angst machen. Am meisten sogar dann, wenn ich diese Verhaltensweise auch gerne für mich hätte, aber manchmal gar nicht weiss, ob es dann so zu mir passt. 

Und manchmal habe ich den Mut und die Disziplin, Neues am Schopf zu packen, umzusetzen und mutig zu sein. Etwas verrückt. Und ich mache es so lange, wie es für mich stimmt. Und manchmal auch so lange, bis ich es gar nicht mehr zurechtrücken muss, weil es besser passt, als das Alte. 

 

Denn nur weil wir etwas «verrücken», muss es nicht negativ sein. Vielleicht finden wir verstaubte Schätze, verlorene Heiligtümer oder ganz neue Wege, die uns weitere Optionen ermöglichen. Und wenn nicht, haben wir selbst immer wieder die Möglichkeit, die Dinge an ihren Ursprung zurück-zu-rücken.

(Was eh nicht klappen wird, weil wir nicht mehr dieselben sind, und der Ursprung eben der Ursprung ist: die Vergangenheit. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.)

 

Deshalb wünsche ich dir, dass du verrückt sein kannst und die Dinge so oft ummodelst, bis du dich wohl damit fühlst. Dass du nicht aufgibst, bis es sich plötzlich leicht anfühlt. Denn spätestens dann wird es auch gut werden. 

 

Und ob dieser Text jetzt «gut genug» ist, weiss ich nicht. Ich habe auf jeden Fall für den ganzen Text gleich lange gebraucht, wie für die ersten 10 Zeilen, die ich vor Wochen geschrieben habe. Und ja, vielleicht ist er jetzt bereit, von dir gelesen zu werden. 

 

Alles Liebe, wo auch immer du bist, 

Julia

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Lately

Lately, I feel like lately 'Stead of heaven, I only see the sky But maybe, I mean maybe Oh, there′s got to be more to this life  (More to this life – M. Giesinger & M. Schulte) Ich bin im Trott. Zwischen arbeiten, Wäsche waschen, einkaufen und kochen, koordinieren und organisieren, differenzieren und reflektieren  und am Schluss noch schlafen. Viel schlafen. Ich treffe zu wenige von den  vielen Leuten, die ich so gerne mag. Weil ich nicht mag.  Ich bin im Individualisierungs-Burnout, weil mich die Masse erschlägt, und ich doch niemandem so richtig gerecht werde.  Instead of heaven, I only see the sky.  I treat the universe inside of me as if it was an ordinary world.  The fire inside of me doesn’t seem to burn as much as the fire around me.  Und doch scheint die Sonne jeden Tag neu.  Unermüdlich. Aussergewöhnlich. Zu selbstverständlich.  Wir schulden ihr nicht mal was dafür.  Der Frühling kommt ungefragt aber so ersehnt. ...

weshalb Hoffen nicht die Lösung ist

Um ehrlich zu sein war ich im letzten Monat die Person, die meine Blogposts hätte lesen sollen. All this time I was finding myself and I didn‘t know, I was lost. Und manchmal scheint es, als würde es mir doch plötzlich wie Schuppen von den Augen fallen. Naja, solche Momente habe ich von Zeit zu Zeit; das Gefühl der «Erkenntnis». Und doch erkenne ich nicht immer und sehe nicht klar. Manches rede ich mir schöner, als dass es wirklich ist und anderes zeichnet sich in meinen Gedanken schlimmer und schmerzhafter ab, als es sein sollte. Und weshalb schreibe ich dann Blogposts? Um eine Essenz aus solchen Momenten zu ziehen. Um anderen einen Impuls zu geben. Und ich habe nicht mehr geschrieben, weil ich es nicht konnte. Nicht, dass es mir schlecht ging und ich am Boden zerstört war, sondern weil ich das Gefühl hatte, ich könnte mit dir, mit der Welt, nicht das teilen, was sinnstiftend ist. Jetzt sitze ich hier und schreibe trotzdem. Nicht, weil ich etwas gefunden habe, was die Welt wirklic...

Ode an meine Zwanziger

Nur kurz vorab: Dieser Post wird keine Ode im klassischen Sinne, sondern eine, in meinem Sinne. So wie ich nämlich auch meine Zwanziger gelebt habe.    Ich stehe kurz vor meinen Dreissigern, nur noch einen Augenblick entfernt. Vor ein paar Jahren noch mein Endgegner, heute ist es eher eine Erleichterung. Die Zwanziger waren für mich eine Herausforderung zwischen Überleben, Kämpfen und Leben. Die Reihenfolge war hier frei wählbar, Episoden waren wiederkehrend und manchmal war es auch alles miteinander.    In den Zwanziger kann man alles tun, man sollte aber auch alles tun. Sich ausprobieren, reisen und Neues erleben. Am besten aber auch Geld verdienen, sich ein Standbein aufbauen und gleichzeitig in die Zukunft schauen. Alte Kontakte pflegen und neue Menschen kennenlernen, und vor allem auf eigenen Beinen stehen.  Ich nahm das sehr ernst. Vielleicht oft auch zu ernst. Ich habe mich mental an diesen Vorstellungen festgehalten und wurde erst frei, als ich all das l...