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die Geister, die wir kannten

So give me hope in the darkness that I will see the light
‘cause oh that gave me such a fright
But I will hold as long as you like
Just promise me we’ll be alright

But the ghosts that we knew will flicker from view
But we’ll live a long life. 

-       Mumford and Sons

Ich bin vor wenigen Monaten in einem Podcast auf einen Begriff gestossen, den ich nicht kannte. Ghosting. Doch als er dann erklärt wurde, war mir völlig klar, worum es geht. Ghosting beschreibt einen vollständigen und plötzlichen Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Ankündigung. So, als hätte eine Person nie existiert. Man meldet sich einfach nicht mehr, andere verschwinden sogar völlig von der Bildfläche. Und dann scheint es, als wäre da nur noch die Erinnerung. Als wäre die andere Person ein Geist, den man mal kannte. 

Doch kennt man die Person, die einen «ghostet» wirklich? Was muss passiert sein, damit man einen Kontakt plötzlich abbricht, weshalb will man einen Menschen nicht mehr in seinem Leben haben – von jetzt auf gleich? 

Es gibt Menschen, die werden einfach so zu Geistern, die wir kannten. Sie verändern sich, wir verändern uns und plötzlich teilen wir nichts mehr Gemeinsames in diesem Leben. Das ist normal, das passiert eben. 
Aber möchtest du ernsthaft eine Person sein, die sich selbst zu einem Geist macht, mit voller Absicht. Möchtest du dich so aus einem Leben verabschieden. Es ist ja nicht mal ein sanftes Abschleichen, sondern von 100 auf 0. Eine Vollbremse, ein Knockout. Kannst du dich so verhalten, als hätte eine andere Person, mit der du vielleicht sogar sehr viel Kontakt hattest, nicht existiert?

In der Mittelschule hatte ich eine Mitschülerin, die erst später dazukam und sich irgendwie nie so richtig in die Klasse einfand. Eines Tages kam sie nicht mehr, war umgezogen, hat sich umentschieden. Da sagte ein Lehrer zu uns: «Verabschiedet euch immer, egal, wie die Umstände auch sein mögen.» Das blieb mir bis heute. 

Also egal weshalb man nicht mehr im Leben einer anderen Person sein möchte, verabschiede dich. Es ist legitim, dass man sich verändert und dass es manchmal einfach nicht mehr stimmt. Aber möchtest du zu einem Geist werden? Möchtest du, dass all die ungesagten Dinge sich im Kopf der anderen Person zusammenspinnen? Ich glaube, so kannst du nur verlieren. 

Und ja, vielleicht bist du auch die Person auf der anderen Seite. Die zurückgelassen wird mit einer Leere und einem grossen Fragezeichen. Voller Wut, vielleicht auch voller Trauer und Unverständnis.
Es mag nur ein kleiner Trost sein, aber vielleicht hat die Person ihre Aufgabe in deinem Leben erfüllt. Das Ende war zwar schmerzhaft, aber das ist nicht deine Schuld. Suche den Fehler nicht bei dir. Und erinnere dich an die tollen Erlebnisse, die du mit der anderen Person hattest. Werde nicht verbittert, das nützt dir nichts. 

Und lerne für dein Leben daraus; verabschiede dich, auch wenn es hart sein mag. Gehe mit Würde, vermindere den Spielraum für das Gedankenkarussell der anderen, bleib fair.
Du entscheidest allein, zu welcher Art Geist du wirst, den man mal gekannt hat.


Alles Liebe, Julia

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