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Krieg in meinem Kopf

Eigentlich wollte ich positiver werden, all die Grenzen sprengen. Eigentlich wollte ich den blauen Himmel sehen und nicht die vereinzelten Wolken. Eigentlich wollte ich den Weltschmerz, den ich vergangene Woche übermannt hat, hinter mir lassen. 
Eigentlich. Bis es mich doch einholte. 

Und ja, vielleicht auch durch den Titel von Steffe la Cheffe’s Song «Chrieg i dim Chopf» wurde mir bewusst, was es eigentlich ist, das mich so aus der Bahn wirft. Ich habe drauflos geschrieben und gemerkt, dass da Krieg vorherrscht. Krieg in meinem Kopf. 
Und ich weiss, dass ich nicht die einzige bin, die ihn führt. Jeder für sich, in der Nacht und auch am Tag, aber verschlossen hinter unseren Augen und Herzen.
Und wir alle kämpfen gegen etwas an, das unsichtbar ist. 

Ich fühlte mich eingesperrt in einem Käfig ohne Stäbe und Türen, aber trotzdem voller Gitter. Umgeben von Push-Nachrichten, Fake News und einer Art Weltuntergang, den mir die Medien täglich vor Augen halten. Ich werde überflutet von Informationen, die mir nichts nützen. 
Obwohl ich physisch von der Welt etwas absorbiert bin, so werde ich täglich immer tiefer in eine neue hineinkatapultiert. In eine Welt voller Klicks und Likes, positiven und negativen Gedanken. Und egal was allem noch; Hauptsache ungefiltert. 

Also habe ich die weisse Fahne gehisst – habe kapituliert. Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt, den Newsfeed alle paar Minuten zu erneuern und die anscheinend neu gewonnene Zeit damit vollzustopfen, nun für die Welt und ihre unnützen Nachrichten erreichbar zu sein. 
Obwohl mir eine Pause geschenkt wurde, kam es mir vor, als werde meine Luft immer dünner und der Druck auf meinem Brustkasten immer grösser. 
Ich habe von mir erwartet, mit der neuen Situation spielerisch umzugehen, obwohl ich doch nicht einmal weiss, wie man überhaupt handeln soll. 

Ich habe mir in meinem Kopf den Krieg erklärt, obwohl ich es nicht wollte. Ich bin in den Krieg gezogen, ohne zu realisieren, wie das überhaupt geht. Ich habe meinen Verstand für einige Tage zurückgelassen, bevor ich überhaupt gemerkt habe, was ich da genau tue. 

Wir alle führen die Kriege in unseren Köpfen, ohne es zu wollen. Und auch wenn wir die einzigen sind, die sie auch beenden müssen, so sind wir im Kampf mit unseren Gedanken nicht allein. Und jeder Krieg, jeder Kampf bringt uns einen Schritt weiter. Und jeder Krieg hat auch ein Ende – und das kommt hoffentlich einer möglichen Zerstörung zuvor. 

Ich wünsche dir, dass du weisst, dass du mit den Kriegen in deinem Kopf nicht allein bist – nie allein bist. Und ich wünsche dir die Kraft zu kapitulieren und die Kriege hinter dir zu lassen, den Ausschaltknopf deines TV, Computer oder Handys zu drücken, bevor dich die Informationsflut übermannt. Es gibt mehr zu sehen, als nur das. 

Alles Liebe, Julia

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