Direkt zum Hauptbereich

(mehr)wert


Dieser Blogpost wird etwas anders, als die vorherigen. Persönlich. Etwas emotional. Aber es freut mich trotzdem, wenn du ihn liest.

Zwei Dinge musst du wissen:
1. Ich bin stolze Schwester eines jungen Mannes mit Trisomie 21 (Down-Syndrom).
2. In Deutschland wird zurzeit darüber debattiert, ob die Krankenkassen die Kosten der vorgeburtlichen Bluttests zur Feststellung einer Schwangerschaft mit einem Kind mit Trisomie 21 übernehmen sollen.

Vielleicht denkst du, dass doch jeder das Recht hat zu wissen, ob sein Kind gesund zur Welt kommt. Woran erkennt man Gesundheit? Mein Bruder ist putzmunter, hatte zwar im Kleinkindalter kleinere Komplikationen, doch es geht im heute super und er steht mitten im Leben.

Was heisst denn Gesund? Sind Menschen mit 43 Chromosomen nicht gesund? Sind sie weniger wert, als vermeintlich „gesunde“ Babys? Was passiert mit all den Kindern, die Komplikationen bei der Geburt erfahren, bei denen erst nach der Geburt eine Krankheit, eine Behinderung oder Gebrechen diagnostiziert wird. Die haben doch auch Eltern, die sich von ganzem Herzen auf sie gefreut haben, und für sie kämpfen werden, egal was geschieht. Und die sie lieben werden.  

Für mich persönlich bedeutet die Kostenübernahme dieses Bluttests eine Art Zugeständnis einer ethnischen Säuberung. Menschen, die das 21. Chromosom dreifach im Erbgut enthalten haben, sind im Gegensatz zu Menschen mit anderen Trisomien, lebensfähig. Liebensfähig. Menschen.

Menschen.

Ich habe von meiner Mutter gelernt, grossen Glauben und grosses Vertrauen darin zu haben, dass wir im Leben nur das bekommen, was wir auch tragen können. Klar sagst du, dass das nicht immer möglich ist, dass das Schicksal ein mieser Verräter ist. Ja, mag manchmal wirklich so sein.
Aber sollte ich jemals das Geschenk eines Kindes bekommen, dann glaube ich daran, dass dieses Kind sich uns als Familie aussucht, weil wir es tragen und begleiten können.
Darum geht es doch, wenn wir die nächste Generation grossziehen, nicht?

Ich bin stolze Schwester dreier unglaublich inspirierender Menschen, die liebenswert sind, die kreativ und inspirierend sind, und die ich für nichts in der Welt eintauschen würde.
Jeder von ihnen gehört zu meinem Glück, jeder von ihnen gehört zu meinem Funken.  Und einer davon, hat sogar noch einen Mehrwert, nämlich sein drittes einundzwanzigstes Chromosom. ©
This is where the SpARk comes from.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

weshalb Hoffen nicht die Lösung ist

Um ehrlich zu sein war ich im letzten Monat die Person, die meine Blogposts hätte lesen sollen. All this time I was finding myself and I didn‘t know, I was lost. Und manchmal scheint es, als würde es mir doch plötzlich wie Schuppen von den Augen fallen. Naja, solche Momente habe ich von Zeit zu Zeit; das Gefühl der «Erkenntnis». Und doch erkenne ich nicht immer und sehe nicht klar. Manches rede ich mir schöner, als dass es wirklich ist und anderes zeichnet sich in meinen Gedanken schlimmer und schmerzhafter ab, als es sein sollte. Und weshalb schreibe ich dann Blogposts? Um eine Essenz aus solchen Momenten zu ziehen. Um anderen einen Impuls zu geben. Und ich habe nicht mehr geschrieben, weil ich es nicht konnte. Nicht, dass es mir schlecht ging und ich am Boden zerstört war, sondern weil ich das Gefühl hatte, ich könnte mit dir, mit der Welt, nicht das teilen, was sinnstiftend ist. Jetzt sitze ich hier und schreibe trotzdem. Nicht, weil ich etwas gefunden habe, was die Welt wirklic...

becoming Jules

Stell dir vor du wagst etwas Neues. Du kündigst deinen Job, du kündigst deine Wohnung, du verlässt deine Freunde, Familie und deine grosse Balkonliebe.  Stell dir vor du beginnst eine neue Ausbildung und sie gefällt dir. Stell dir vor du hast neue Arbeitskollegen und sie sind toll.  Stell dir vor deine neue Stadt ist irgendwann dein Zuhause und der Fluss, der daneben fliesst; dein Ruheort. Und stell dir vor es treten bezaubernde neue Menschen in dein Leben. Freunde. Sie sind plötzlich da am Wegrand und gehen ihn mit dir. Egal ob es steinig ist oder auch nur um die Aussicht zu geniessen.  Und stell dir vor da gibt es Cafés, in denen du Texte schreiben kannst. Neue Inspiration, neue Ideen, neue Möglichkeiten.    Und irgendwann war der Tag da, als ich mir das alles nicht mehr vorgestellt, sondern umgesetzt hatte. Und dieser Tag jährt sich bald. Als ich einen Teil von Julia zurückliess, damit ich mehr Platz habe für Jules.    Jules. Eine (junge) Frau mit T...

Abstand

Von hier oben sieht alles ganz klein aus. Und die Probleme unwichtiger. Und die Sorgen weit weg. Hier oben fühle ich mich so frei und gross.  Ich kann wieder atmen.    Denn manchmal sind die Gedanken Was andere denken könnten Zu laut.  Und die Verantwortung Die man doch nur für sich übernehmen kann Zu gross.    Dann möchte ich  Fliegen wie ein Adler und Schwimmen wie ein Delfin. Einfach nur Schwerelos.    Dann brauche ich Abstand Vom Alltag und der Arbeit Von Familie und Freunden Und von dir.  Dann brauche ich eine Pause Von Aufgaben und Verpflichtungen Von Träumen und Wünschen Und von mir.    Deshalb Tanze ich wild Und singe ich laut Und laufe los Wandere hoch Bis ich angekommen bin.    Von hier oben sieht alles ganz klein aus. Und die Probleme unwichtiger. Und die Sorgen weit weg. Hier oben fühle ich mich so frei und gross.  Ich atme ein Atme aus Und lass los.   Alles Liebe, Julia