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Symphonie der kaputten Dinge

Symphonie (Substantiv):  umgangssprachlich : etwas wunderbar Schönes, Beeindruckendes Wie ich auf den Titel dieses Blogposts gekommen bin, kann ich gar nicht so genau beschreiben. Aber ich glaube, es fasst meine vergangene Woche ziemlich treffend zusammen. Ich war jeden Abend müde und erschöpft und ehrlich gesagt kenne ich wenige Menschen, denen es im Moment anders geht. Wir sind getrieben vom Strom des Alltags, schwimmen nebeneinander aber seltener miteinander. Ich würde andere gerne mitziehen, aber manchmal kämpfe ich schon alleine, Kurs zu halten.    We are all broken    Ich würde mich als alles andere bezeichnen, aber sicher nicht als kaputt. Aber manche Dinge in meinem Umfeld würde ich mir vollkommener wünschen, unkomplizierter, nachvollziehbarer. Sobald wir unsere Haustür öffnen, werden wir mit Dingen konfrontiert, die wir vor zwei Jahren in einem Science-Fiction-Film gesehen hätten. Surrealität ist Realität geworden.    «Doch alles, was ich jetz...

Jetzt

  «Wenn Leute darüber sprechen, dass wenn sie in die Vergangenheit reisen würden, um etwas Kleines zu verändern, dass sich dann die Zukunft grundlegend ändern würde.   Aber fast niemand in der Gegenwart denkt, dass er die Zukunft grundlegend ändern würde, wenn er jetzt etwas Kleines tut.»   Natürlich ist dieser Spruch nicht von mir, sondern aus einem Repost, über welchen ich zufälligerweise vor einiger Zeit gestolpert bin. Ich musste ihn zweimal lesen, um ihn richtig zu verstehen.  Wie es doch bei Erkenntnissen so oft ist. Sie schlagen meist nicht beim ersten Mal wie ein Blitz ein. Zumindest bei mir.    Oft ist es so, dass wir entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, als im Hier und Jetzt, wo wir handlungsfähig sind. Wir denken daran zurück, ob heute was anders wäre, wenn wir doch den Job gekündigt, diese Party besucht, uns ein neues Auto gegönnt oder nach der Nummer gefragt hätten. Was wäre heute mit uns, wenn wir diese Reise gebucht, unser...

Heimweh

Und manchmal habe ich Heimweh nach der Schaukel, die früher im Garten meiner Eltern stand, dem Schokoladenkuchen, den es immer zum Geburtstag gab,  nach Gute-Nacht-Geschichten und manchmal auch Heimweh nach dir.    Und manchmal habe ich Sehnsucht nach dem Meeresrauschen in meinen Ohren, nach Sandkörnern zwischen meinen Zehen,  nach Wärme, Sonnenuntergängen und festen Umarmungen und manchmal auch Sehnsucht nach mehr.    Und ich habe Sehnsucht nach mir.  Aus dem einfachen Grund, weil ich nicht weiss,  wohin ich überhaupt gehen werde. Sehnsucht nach Sicherheit und Klarheit,  immer in diesen Momenten, in denen ein nächster Schritt ansteht.  In denen ich nicht weiss, ob es genügen wird,  obwohl ich weiss, dass ich genug bin.    Und manchmal habe ich Heimweh nach mir.  Nicht unbedingt, weil ich vermisse, wer ich mal war,  sondern weil ich nicht immer spüre, wer ich bin.  Weil meine Playlist so oft auf Shuffle ist,...

Wellen

Das Leben kommt in Wellen.   Auf manchen surfst du,  anderen schaust du zu und manchmal hältst du den Atem an und lässt sie über dir brechen.    So oft kommt es mir vor, als wären wir ausschliesslich hier, um unsere Performanz zum Besten zu geben. Allen zu zeigen, was wir so können und vor allem, dass wir es gut können. Und wir basteln so lange rum, bis wir uns ganz sicher fühlen, dass es uns auch gelingen wird.  Gleichzeitig setzen wir uns aber auch immer unter Druck, dass alles von Anfang an funktionieren muss und wir uns keine «Fehler» erlauben dürfen. Wir geben einander das Gefühl, dass es in unserem Leben so viele perfekte Wellen gibt, und jede ist ein Erlebnis.   Doch zoomen wir mal hin, so steckt hinter diesen so «perfekten» Ereignissen viel Vorbereitung, Arbeit und Hingabe. Tränen, Wut und Frustration. Oft sind wir begleitet von Zweifeln und wenn es denn sein muss, so bremst uns das Leben von alleine aus.    Denn wie soll es überhaupt mögl...

One-Way-Ticket

hiraeth (Substantiv): Heimweh nach einem Ort, an den man nicht mehr zurückkehren kann, nach einem Zuhause, das es so vielleicht nie gegeben hat; Nostalgie, Sehnsucht nach und Trauer um verlorene Orte aus der Vergangenheit   Es gibt da was, dass wir alle zur Geburt geschenkt bekommen haben. Der erste Atemzug und das One-Way-Ticket durchs Leben.    Und auch wenn wir denken, wir können zurückgehen, an eine Station, wo wir schon einmal waren, dann müssen wir uns bewusst sein, dass nicht mehr dieselben Menschen da sein werden, das Wetter sich geändert hat und vielleicht kein Stein mehr auf dem anderen steht, wenn wir zurückkehren.    Auf Deutsch sagen wir auch, dass wir ein «einfaches» Ticket lösen, wenn wir nur eine Strecke fahren wollen und nicht mehr zurück. Dieses Lebensticket ist einfach gelöst, dass es aber einfach ist, stimmt leider nicht.   Und manchmal leide ich an «hiraeth» und daran, dass ich gerne zurückmöchte. An wunderschöne Orte, die ich besuchen...

eine leere Leinwand

Jedes Mal, wenn ich beginne, einen neuen Text zu schreiben, ist da dieses leere Dokument, dass darauf wartet, mit Buchstaben und Zeichen gefüllt zu werden.   Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, ist da dieser neue Tag, der mit Leben gefüllt werden möchte.     Manchmal bin ich überfordert mit den Dingen, die da alle noch auf mich warten. Anstatt zu sehen, was ich alles schon geschafft habe. Diese Bilder, die ich in den vergangenen Tagen «gemalt» habe; dieses Leben, dass ich kreiere, lebe, geniesse und fülle.  Die Farben, die ich meinem Leben gebe. Und gleichzeitig, jeden neuen Tag als neue Chance zu sehen, ein sauberes Glas Wasser, eine leere Leinwand, eine Palette voller Farben und eine neue Auswahl an Pinsel und Werkzeugen zu erhalten, mit welchen ich gestalten darf.    Ich habe letztens einen Spruch gelesen, der hiess:  « I’m constantly worrying about the next part of my life without realizing that I’m right in the middle of what I used to look forward ...

Klartext

Warum ich diesen Text schreibe? Mainstream? Offenheits-Bewegung? Nein, eher für einen Perspektivenwechsel für diejenigen, die es noch nicht schaffen, andere Blickwinkel einzunehmen.   Ja, «me too» hat auch mich beschäftigt. Und als ich in der ersten Jahreshälfte eine Anfrage von einem Bekannten bekam, ob ich ihm berichten könne, ob ich schon Erfahrungen mit (sexueller) Belästigung gemacht habe, kam dieses Thema wieder auf. Er hat anschliessend eine Kurz-Doku gemacht, in welcher er sich als Frau ausgegeben hat und berichtet, welche Erfahrungen er gemacht hat. Ich war nicht verwundert, aber trotzdem schockiert.  (Gerne nachzuschauen unter  https://www.fm1today.ch/schweiz/jobangebote-gegen-sex-10-tage-als-frau-im-internet-141163526 )     Und so lief ich diese Woche im Fitnessstudio auf dem Laufband und plötzlich war da diese Wut im Bauch. Denn darf ich ehrlich sein? Ich kenne praktisch keine Frau, die noch nie Erfahrungen mit (sexueller) Belästigung gemacht ha...